Textatelier
BLOG vom: 03.11.2021

Schafgarbe hilft Frauen und heilt Wunden

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Prächtige Schafgarbe
 

Auf einer Wanderung von Riedichen nach Rohrberg am 20. Oktober 2021 sah ich am Wegesrand ein besonders schönes Exemplar der Schafgarbe (Achillea millefolium). Voller Freude, fotografierte ich die Heilpflanze. Sie wächst bei uns reichlich an Wegrändern und auf Wiesen. Wenn man etwas von der doldenartigen Blüte abzupft, diese zerreibt, dann strömt ein unverwechselbarer aromatischer Duft in die Nase.

Achilles war fast unverwundbar
Der homerische Held Achilles war Namensgeber der lateinischen Bezeichnung der Schafgarbe. Hier die Geschichte:

Der homerische Held Achilles, der bis auf eine Ferse, eben der „Achillesferse“, unverwundbar war, soll die Heilkraft der Schafgarbe bei Verwundungen erprobt haben. Eines Tages verletzte er den König von Mysien, Telephos, durch einen Lanzenstich. Er bereute die Tat, denn er benötigte den König als Führer auf dem Weg nach Troja. Die Göttin Aphrodite riet ihm, die Wunde mit Schafgarbe zu behandeln. Die Wirkung war verblüffend. Der König genas und zog mit Achilles in den Trojanischen Krieg. Später wurde Achilles von Paris, dessen Pfeil Apoll lenkte, tödlich in der Ferse verwundet. Die weinende Aphrodite soll dem sterbenden Helden Schafgarbe auf die Wunde gelegt haben, um die Schmerzen zu lindern.
Den deutschen Namen „Schafgarbe“ bekam sie wahrscheinlich, weil sie gerne von Schafen gefressen wird.

Einschlafhilfe und Traumdeutung
Das Kraut diente auch als Einschlafhilfe. Die leicht duftenden und beruhigenden Blüten wurden bei unruhigen Kindern auf die geschlossenen Augen gelegt. Auch junge Mädchen machten dies, aber nicht als Einschlafhilfe, nein, sie wollten ihren zukünftigen Geliebten im Traum sehen. 1996 wurde Frank Hiepe und ich anlässlich der Buchvorstellung unseres ersten Kräuterbuches „Arnika und Tausendgüldenkraut“ zu einer Fernsehsendung mit den Fallers eingeladen. Bei dieser Gelegenheit präsentierte ich die Geschichte mit der Einschlafhilfe und der Traumdeutung.

Kraut hilft Frauen und heilt Wunden
In mittelalterlichen Kräuterbüchern steht die blutstillende Wirkung im Vordergrund. Gelobt wird die Schafgarbe auch als ein Mittel gegen Durchfall, Blutspucken, Blutergüsse, Geschwüre, Hämorrhoidalblutungen und eiternde Wunden. Erst später kam die Verwendung bei Menstruationsbeschwerden dazu.

Die in der Schafgarbe vorhandenen Stoffe wirken entzündungshemmend, krampflösend und antibiotisch auf verschiedene Bakterien, ausserdem fördern die Bestandteile die Gallensekretion.

Äusserliche Anwendung (Tee, Tinktur): Umschläge und Spülungen bei Haut- und Schleimhautentzündungen, Ekzeme.

Shampoos: fette Haare, übermässige Schuppenbildung
Bäder: Ekzeme, Afterrisse, Beschwerden im weiblichen Unterleib.
Gesichtsdampfbad: fette, unreine Haut, geplatzte Äderchen im Gesicht.

Innerliche Anwendung (Tinktur, Tee, Presssaft aus frischem Schafgarbenkraut): Menstruationsbeschwerden, Wechseljahrbeschwerden, Krampfadern, Hämorrhoidalblutungen, leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich einschliesslich Blähungen und bei Appetitlosigkeit.

Teebereitung: 2 Teelöffel frisches oder getrocknetes Schafgarbenkraut mit 150ml heissem Wasser übergiessen, nach 10 Minuten abfiltrieren. Drei- bis viermal täglich eine
Tasse Tee zwischen den Mahlzeiten trinken.

Schafgarbenbad:  50 bis 100 g Schafgarbenkraut in ein Liter kochendes Wasser geben. 20 Minuten ziehen lassen, dann filtrieren und zum Badewasser geben.

Nebenwirkungen: Bei Überempfindlichkeit gegenüber Korbblütler (auch Arnika, Ringelblume, Kamille) können entzündliche Hautveränderungen mit Blasenbildung und Juckreiz entstehen. Behandlung abbrechen!

Wirkstoffring und sanfte Medizin
Ab und zu fragen mich Anwender, warum besonders der Presssaft aus frischem Schafgarbenkraut (z.B. von Schoenenberger) empfohlen wird.
Entscheidend ist, dass der Gesamtkomplex von Wirk- und Inhaltsstoffen, also alle bioaktiven Stoffe in ihrer natürlichen Harmonie (man spricht vom gesamten Wirkstoffring der frischen Pflanze), im jeweiligen Saft unverdünnt und in konzentrierter Form und seiner natürlichen Zusammensetzung enthalten ist. Die Presssäfte zeichnen sich durch eine ganzheitliche Qualität, synergistische Wirkungsweise, besonders gute Aufnahmefähigkeit und gute Verträglichkeit und Sicherheit aus.
Walther Schoenenberger hat 2 bemerkenswerte Grundsätze, die auch heute noch Gültigkeit haben, ermittelt. Sie lauten: „Lasst das Natürliche so natürlich wie möglich“ und „Die Heilkonzentration, welche die Natur geschaffen hat, ist in unverbildeter Form nur in der frischen Pflanze enthalten.“ 

 

Internet
www.schoenenberger.com

Literatur
Scholz, Heinz; Hiepe, Frank: „Arnika und Frauenwohl“ (2. Heilkräuterbuch), Ipa Verlag Vaihingen, 2. Auflage 2013.

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