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BLOG vom: 26.09.2022

Keltische Münzen und ein Schatz unterm Taufbecken

Autor: Günther Lang, Hobbyarchäologe, Badenweiler

 


Keltensilber und -gold aus der Region
 

Heinz Scholz: Vom 15.5.2022 bis 18.09.2022 fand im Markgräfler Museum Müllheim eine spannende und interessante Schau über Tauschhandel, den Beginn der Münzprägung in Kleinasien vor mehr als 2600 Jahren, keltische und römische Münzen und die weitere Entwicklung bis zum drohenden Wegfall von Bargeld und dem Geldersatz durch implantierte Chips statt.

Einige Münzschatzfunde in der Gegend, besonders der Münzfund in der Martinskirche unter einem Taufbecken wurden kurz präsentiert. Für die Ausstellung wurde auch ein kleiner Film über die allerersten Münzen in Lydien produziert, er wird in der Ausstellung gezeigt. Günther Lang, ehemaliger Schulkamerad von mir, war maßgeblich an der Ausstellung des Arbeitskreises Archäologie im Markgräfler Museumsverein beteiligt. Hier ist sein Bericht.

 

Am Anfang war das Gold der Griechen -
Keltische Münzen an Hoch- und Oberrhein

Kurze Geldgeschichte der Region in keltischer Zeit.
Ein Blick zurück!

Keltische Söldner brachten - vermutlich im 3.Jahrhundert v. Chr.  - Silber- und Goldmünzen der Griechen mit nach Hause.  Die Bilder dieser Münzen wurden dann bald in keltischer Manier „verfremdet“.

Vorher gab es in der Region Zahlungsmittel, die vermutlich eine  münzähnliche Funktion hatten, um beim Tauschhandel als Wertausgleich zu dienen. Die Form des gegossenen Vorläufergeldes ist recht unterschiedlich: es gab z. B. bronzene Armreifen, kleine Metallbarren auch Ringe und solche mit Noppen.

Das hiesige „Protomoney“ ist auch durch den Fund von Badenweiler belegt.

Die Menschen der Region lebten von Ackerbau und Viehzucht. Die „Häuptlinge“ die sie regierten waren vermutlich auch die religiösen Führer („Druiden“). Diese Elite der keltischen Gesellschaft kontrollierte den Handel schon sehr lange vor den Römern. Sie bestimmte über Abbau und Verhüttung der Erze des Jura, des Schwarzwalds und der Vogesen. Vor allem das Eisen wurde aus den Dogger- und Bohnerzen der Vorbergzone gewonnen und in sogenannten „Rennöfen“ verhüttet. Das ausgeschmiedete Roheisen kam in Form von „Spitzbarren“ in den Handel.

Der Rhein war dafür der ideale Verkehrsweg, sowohl nach Norden, als auch nach Süden. Ausgehend vom griechischen Marsilia (Marseille), verlief ein uralter Verkehrs- und Transportweg über Rhone, Saone, die Schweizer Seen zum Rhein und dann nach dem Norden und Osten. Vom Umschlagplatz am Hochrhein bei Altenburg/Rheinau ging es, z.B., nur kurz über Land zur Donau und diese dann abwärts Richtung Osten und Nordosten, Richtung Ostsee. Über diese Strecke kamen lange Zeit, im Tausch, die Amphoren mit dem heißbegehrten Wein für die keltische Welt des Nordens.

Der keltische Fernhandel war meistens Tauschhandel, denn so vermied man „Leerfahrten“.
Was wurde gehandelt?

  • Britannien exportierte von alters her Zinn,
  • aus den Alpen kam Kupfer,
  • die keltischen Boier in der Gegend von Passau (Boiodurum) besaßen Graphit für Schmelztiegel und zum Schmücken von Keramik,
  • aus dem Norden und Osten kamen Bernstein, Honig, Wachs, Rinder, Leder, Sklaven und blonde Haare.
  • Der Süden aber lieferte feine Keramik und Metallwaren, sowie Rohglas für die beliebten blauen und gelben Perlen, für Glasarmreifen und – vor allem – den heißbegehrten Wein für die Elite.

Die Eroberung durch die Römer war für den Handel sicher kein Schaden, denn Rom betrieb den Ausbau und die militärische Sicherung der Strassen. Es legte auch neue, gut befahrbare Strassen an.

UND:

gleiche Sprache, gleiches Geld, gleiches Recht, förderten Handel und Gewerbe.

 

 


Keltischer Spitzbarren
 

Wie und woraus machten die Kelten ihre Münzen?

Die keltische Münzproduktion erfolgte auf zwei Arten:

Prägen: Silber- und Goldmünzen prägte man mit Hilfe eines unteren und eines oberen Eisenstempels der meistens ein Münzbild trug – und mit einem kräftigen Hammerschlag.

Gießen: Potinmünzen wurden mit Hilfe einer zweiteiligen Gussform aus feinem Sand gemacht.
Das Münzmetalle waren:

  • Gold. Es wurde zur Münzprägung mit Silber und Kupfer legiert, der Goldgehalt der Münzen lag häufig unter 50%.
  • Silber mit Kupfer gemischt.
  • Potin, eine Legierung von Kupfer, viel Zinn, sowie – je nach Typ – einen spezifischen Blei- und Antimongehalt.

Woher kamen Gold, Silber, Blei und Zinn?

Untersuchungen ergaben, dass das in Kirchzarten (Tarodunum) verwendete Gold hauptsächlich Waschgold aus dem Rhein war. Natürlich wurde auch Altgold eingeschmolzen.

Silber und Blei lieferten die Erzbergwerke des Schwarzwalds und der Vogesen. In Altenburg-Rheinau wurde auch das gute Silber römischer Denare für die Münzherstellung verwendet – man „streckte“ es mit Kupfer!

Zinn wurde hauptsächlich aus Cornwall, Kupfer aus den Alpen importiert.

 


Günther Lang
 

Münzen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

Nach dem Untergang des römischen Reichs verschlechterte sich auch die monetäre Situation im westlichen Teil des ehemaligen Imperium Romanum. Erst Karl der Große konnte eine entscheidende Münzreform nach arabischem Vorbild durchsetzen.

Silber war nun das Währungsmetall!

Aber woher kam nun das Silber der folgenden Jahrhunderte für die vielen Münzen?

Die Silbervorkommen des Schwarzwalds, u. a. Schauinsland, St. Ulrich, Münstertal, Badenweiler und die der Vogesen, lieferten über Jahrhunderte Metall in und für die Region.

Das erzeugte Silber wurde entweder „vermünzt“ oder zu Silberbarren mit einem Gewicht von ca. 237,5 Gramm – einer “Mark“ - gegossen. Freiburg beispielsweise war über etwa 600 Jahre Münzstätte. Es bezog sein Silber hauptsächlich aus dem Bergwerk am Schauinsland. Dieses Silber wurde in Barren gehandelt, die mit dem Zeichen von Freiburg gestempelt waren. Sie wurden meistens zum Bezahlen größerer Beträge verwendet, denn das Stadtzeichen war die Garantie für die Güte des Silbers.

Ab dem 12.Jh. wurden Breisgauer-, Löwen- und Adlerpfennige geprägt. 1377 kam durch den Schaffhauser Münzvertrag das Ende des Freiburg-Breisgauer Pfennigs. Es folgte für ca. 200 Jahre die Zeit der Rappenmünze. 1584 löste sich der Rappenmünzbund auf, die Freiburger Münzstätte wurde geschlossen. Zwischen 1620 und 1629 prägte Freiburg prächtige Taler und deren Teilstücke, sowie Kleinmünzen. Im Jahre 1700 wird Freiburg vorderösterreichische Münzstätte. Man prägte Dukaten, Taler und kleinere Münzen für das österreichische Militär, bis 1739.

Bedeutende Münzorte des Mittelalters und der Neuzeit in der Region

  • Straßburg - bischöfliche und reichsstädtische Münzstätte
  • Freiburg - gräfliche, städtische und vorderösterreichische Münzstätte
  • Breisach - reichsstädtische Münze
  • Colmar – reichsstädtische Münze
  • Ensisheim – vorderösterreichische Münzstätte
  • Mühlhausen - reichsstädtische Münze
  • Thann – reichsstädtische Münze
  • Basel – bischöfliche und reichsstädtische Münzstätte
 


Ausstellungshalle
 

Ein Schatz unterm Taufbecken

Bei Ausgrabungen in der Martinskirche in Müllheim im Jahre 1980 entdeckten die Archäologen einen Schatz von 126 Pfennigen aus dem 12. Jahrhundert.

Vermutlich im 13. Jahrhundert waren die Silberstücke gleichmäßig unter einem Taufbecken verteilt worden. Obwohl sie zum Zeitpunkt der Deponierung schon etwa 80 Jahre alt waren, sind viele prägefrisch. Wahrscheinlich sind es Prägungen des Basler Bischofs in Breisach und bestehen aus heimischem Silber. Wer hat wohl - und warum - diesen kleinen Schatz dort versteckt? Warum wurde er vom Eigentümer nie wieder gehoben?

Welche Münzen gab es eigentlich um 1300 in unserer Region?

Am Oberrhein war das gewöhnliche Rechnungsgeld das Pfund.

Es wurde aber niemals geprägt, sondern die kleinen Münzen – Heller oder Pfennige – wurden „auf´s Pfund“ gewogen.
Das Pfund wurde in 20 Schilling eingeteilt, aber auch der Schilling wurde hier nicht geprägt, sondern war wiederum nur eine Rechnungsgröße.

Bezahlt wurde „auf Heller und Pfennig“.

Von den silbernen Pfennigmünzen galten 12 einen Schilling.

Ein Pfennig hatte den Wert von 2 Hellermünzen.

Ein Pfund galt also in Münzen 240 Pfennige oder 480 Heller.

 

Greshams Gesetz
oder
„Schlechtes Geld verdrängt das gute“

Die Einfuhr riesiger Silbermengen aus Südamerika gegen Ende des 16. Jahrhunderts konnte den Rückgang der heimischen Silberförderung, den Anstieg der Lebensmittelpreise, die Unsummen zur Finanzierung der Söldnerheere und das enorme Luxusbedürfnis der Höfe nicht ausgleichen. Es entstand ein allgemeiner Geldmangel. Die Zeit der „Kipper und Wipper“ zwischen 1619 und 1623 brach an.

Den Münzherren war durch die Reichsmünzordnung von Augsburg 1559, ein Abweichen vom Silbergehalt der Reichsmünzen erlaubt worden. Sie durften „Landmünzen“, d. h.  Kleinmünzen, mit geringerem Silbergehalt ausgeben. Diese Chance nutzten sie zum eigenen Vorteil. Sie prägten riesiger Mengen an minderwertigen Kleinmünzen in den sog. „Heckenmünzstätten“ und versuchten so auch dem allgemeinen Geldmangel abzuhelfen. Der „innere“ Wert des Geldes wurde durch erhöhte Zugabe von Kupfer zum Silber immer geringer. Alte, werthaltige Münzen wurden aus dem Umlauf gezogen – von der Münzwaage „gewippt“ - und durch schlechtere Münzen ersetzt. Das enorme Anwachsen der Geldmenge führte zur ersten, wirklich großen, Inflation im Reich. Da sich beispielsweise die Menge des erzeugten Getreides nicht erhöhte, die Nachfrage aber, auch bedingt durch das Bevölkerungs-Wachstum, ständig wuchs, erhöhten sich die Brotpreise enorm.

Auch in den Städten und Herrschaften am Oberrhein und in den Vorderösterreichischen Gebieten wütete die Inflation.
Zum Beispiel galt ein Reichstaler aus „gutem“ Silber (888,89 fein) in der Reichsstadt Straßburg

im Jahre 1600 - 76 Silberkreuzer,

im Jahre 1623 – 360 bis 390 Kreuzer.

Das bedeutete, dass der Preis, für eine beliebige Ware, sich innerhalb von 23 Jahren verfünffacht hatte, während die Arbeitslöhne in etwa gleich geblieben waren.

Die Inflation der Kipper und Wipper - Zeit führte, auch hier am Oberrhein, zu bitterer Armut weiter Teile der Bevölkerung.

 

So viele Münzen, so viele Namen!
Oder:
Wer blickt da noch durch?

Das durch Soldaten, Händler und Reisende zu uns mitgebrachte und nun im Umlauf befindliche Geld hatte viele Namen.
Es gab beispielsweise: Heller, Flitter, Dreier, Sechser, Zehner Zwölfer, Gosken, Pfennig und Raitpfennig, Hohlpfennige und Buschen, Rappen, Mark, Angster, Vierundzwanziger, Schwaren, Kreuzer, Albus, Groschen, Schilling, Schreckenberger, Gröschl und Maleygroschen, Gulden, Taler aller Art wie z.B. Sieben-Brüder-, Licht-, Palm-, Madonnen- und französische Laubtaler, goldenen Dukaten, Pistolen, Zechinen, Louisdor, den florenzer Gulden, den Florin, von dem der Gulden seine Abkürzung „fl“ bekam, und so weiter und so fort.

Eine ungeheure, eine verwirrende Vielfalt – nur Profis konnten das alles überblicken. Daher gab es in den Märkten und Städten meistens das wichtige und einträgliche Gewerbe des Geldwechslers.

 

Internet
www.markgraefler-museum.de

Literatur
Ausstellungskatalog: „Am Anfang war das Gold“ (Geldgeschichte der Region von den Kelten bis heute), Kooperation mit dem Arbeitskreis Archäologie Müllheim.


Weiterer Blog von Günther Lang:
https://www.textatelier.com/index.php?id=996&blognr=6420&autor=Lang%20G%C3%BCnther

 

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