Textatelier
BLOG vom: 30.12.2004

Lähmt Zucker das Denkvermögen?

Autor: Heinz Scholz, Schopfheim D

Nun wissen wir endlich, warum so mancher Autor unter einer Schreibblockade leidet, warum unsere Kinder in der Pisa-Studie so schlecht abgeschnitten haben oder warum so mancher Politiker ein vermindertes Denkvermögen an den Tag legt. Es ist der übermässig zugeführte Zucker, der eine Hirnblockade verursacht.

Als Klaus Oberbeil in seinem Buch „Die Zuckerfalle“ auf den Hauptübeltäter Zucker hinwies und behauptete, dass „mit schlecht genährten Gehirn- und Nervenzellen keine Bestnoten erzielt werden können“, erntete er nur ungläubiges Kopfschütteln. Denn von Medizinern, die der Zuckerlobby hold waren, war immer wieder behauptet worden, Zucker sei ein natürlicher Lebensspender, wirke leistungssteigernd und verursache eine frohe Laune. Auf Grund dieser Empfehlungen futterten Schüler und Studenten vor Prüfungen eine Unmenge an Traubenzucker. Sie waren überzeugt, nun würden sie eine wahre Leistungsexplosion erleben und gute Noten bekommen. Wie neueste Studien ergaben, könnte die Zuckerflut jedoch genau das Gegenteil bewirken, nämlich eine Lähmung des Denkorgans.

Forscher der Universität Virginia (USA), die sich ja auch irgendwie beschäftigen müssen, liessen 196 Diabetiker 3- bis 4-mal täglich sprachliche und mathematische Aufgaben lösen. Kurz darauf überprüften sie den Blutzuckerwert. Das Ergebnis der Studie war überraschend: Diabetiker mit hohen Blutzuckerwerten hatten erhebliche Denkblockaden, die Fehler beim Kopfrechnen häuften sich. Der Leiter der Studie, Daniel Cox, empfiehlt deshalb auch Gesunden, hohe Blutzuckerwerte zu vermeiden. So ganz neu ist diese Empfehlung zwar auch wieder nicht. Aber da scheint immerhin der gesunde Menschenverstand noch intakt zu sein.

Obwohl die Studie nicht an Gesunden, sondern an Zuckerkranken durchgeführt wurde – vielleicht gibt es in den USA mit ihrer Falschernährung nur noch solche –, ist es zweifellos nicht verkehrt, wenn wir unseren Zuckerkonsum reduzieren (gegen ein Stück Schokolade hat ja niemand etwas einzuwenden), und bei geistigen Höhenflügen besonders viel Vollkornprodukte, Nüsse aller Art, insbesondere Baumnüsse (Walnüsse), oder Bananen schlucken. Jedermann kann dann selbst testen, ob er damit seine Denkfähigkeit zu steigern vermag.

Doch die Zuckerlobby dürfte angesichts der neuen Studie aus der neuen Welt vor Wut wie Zucker beim Karamellisieren schäumen und zum Gegenangriff blasen. Dies war denn auch der Fall, als die WHO (Weltgesundheitsorganisation) Empfehlungen aussprach, die auf eine gesündere Ernährung abzielten. Die Organisation wies darauf hin, man solle nicht mehr als 10 % der Kalorien in Form von Zucker aufnehmen und empfahl der Lebensmittelindustrie, den Fett- und Zuckergehalt in Nahrungsmitteln zu reduzieren. Die Süsswarenindustrie fürchtete Umsatzeinbussen und wollte daraufhin die finanzielle Unterstützung der WHO zurückziehen. Die WHO veröffentlichte die Studie deshalb vorsichtshalber nicht.

Zuckergeschäfte sind süss und machen selbst Portemonnaies dick. Eine raffinierte Sache.

Quellen

Oberbeil, Klaus: „Die Zuckerfalle“, Herbig Verlagsbuchhandlung, München 2004.

Der Spiegel“: „Angriff der Zuckerlobby“, 2004-53.

www.wissenschaft.de und www.focus.de

Hinweis auf weitere Blogs von Heinz Scholz
Bald ist die Farbenpracht des Herbstes vorbei
Riesenpilz ist kein Badeschwamm, sondern essbar
Schafgarbe hilft Frauen und heilt Wunden
Die Fliegenkesselfalle des giftigen Aronstabs
Akrobaten der Lüfte, die im Flug „schlafen“
Schutz und richtige Hilfe für das Wildtier Igel
Eisenhut ist die giftigste Pflanze in Europa
Holzener Wald: Golfplatzblick, Thuja, Naturdenkmal
Erlebte Natur: Tausendguldenkraut und ein Admiral
Mariendistel stärkt und entgiftet die Leber
Blüten und Insekten werden immer weniger
Frank Hiepe: 40 Jahre Kräuterexkursionen
Essbare und schmackhafte Wildpflanzen
Rotkehlchen ist Vogel des Jahres 2021
Vor 25 Jahren: Heilpflanzenbuch, Fernsehsendung