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     16. August 2018, 20:11 Uhr
 


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Abkühlung und Bergtour

Auszug aus der altmodischen Liebesnovelle: „Emma – Das Fest am Rhein“ (2.Teil)

Als sich der Herbst breit machte, entging Armin nicht, dass sich Emma mehr und mehr in sich einkapselte. Gewiss trafen sie sich nach wie vor, doch Tage konnten verstreichen, ehe er sie wieder sah. Der Ausflug nach Colmar wurde immer wieder aufgeschoben. Wechselmütig, wie sie war, sickerte zum Glück ihre Wärme hin und wieder durch und tröstete ihn über ihre zeitweilige Gefühlskälte hinweg. Verständlich auch, dass sie sich für ihre Umsiedlung nach Genf vorbereiten musste. Auch Armin musste sich endlich mehr Zeit nehmen, um sich für die Abschlussprüfung vorzubereiten.

Sollte er sie zu einer offenen Aussprache auffordern? Er enthielt sich einzig aus Angst, dass sie ihm „klaren Wein“ einschenken könnte. Schliesslich hatte sie ihm mehrmals deutlich zu verstehen gegeben, dass sie ihrer Berufung durch und durch ergeben war. Daraus war klar zu schliessen, dass sie nicht gewillt war, einer Liebesempfindung wegen ihren Lebensplan umzukrempeln. So sehr Armin auch versuchte, seine trüben Gedanken zu verscheuchen, hakten sie sich fest wie Kletten.

In diesem Zwiespalt erreichte Armin plötzlich die hoffnungsvolle Nachricht von Emma: Die Tour ins Hochgebirge, auf 2, allenfalls 3 Tage beschränkt, stehe so gut wie fest, wenigstens seitens der Mädchen, Irene ausgenommen. Markus hatte auch die Bereitschaft der Burschen gewonnen. Ende September sollte sie stattfinden. Es galt, sich auf die Bergtour vorzubereiten. Emmas wie auch Claudias Vater wollten unbedingt, dass ein kompetenter Bergführer die Gruppe begleite, denn ein plötzlicher Nebelüberfall oder Wetterumschlag um diese Jahreszeit sei viel zu gefährlich für so unerfahrene junge Leute.

Die Marschroute im Oberengadin, auf den Nationalpark übergreifend, wurde im Beisein des Berglers abgesteckt, die Alphütte in einer Maiensäss (Alpweide) bestimmt, irgendwo zwischen Piz Kesch und Piz Vadret. Vreni, die mitmachen wollte, wenigstens bis zu einem gewissen Grad, werde von einem Kollegen des Berglers abgeholt und von der anderen Bergseite, ab Endstation des Postautos, begleitet. Der Bergler selbst, Mitte 40, mit scharf geschnittenen Gesichtszügen, worin sich die Bündner Hakennase wuchtig hervortat, war typisch wortkarg. Sein Mund war mehr als genug mit seiner Brissago beschäftigt. Keinen Gletscher galt es zu überqueren, keine Bergwand mit Seil und Haken zu bezwingen, „aber alle meine verordneten Sicherheitsmassnahmen sind rigoros einzuhalten“, war der längste Satz, den er äusserte.

Mit der Bahn und anschliessend Postauto bis zur Endstation bei der Passhöhe erreichte die Gruppe unternehmungslustig die Bergwildnis, von Saumpfaden beherrscht und Wildbächen, die sich ins Gestein eingefressen hatten.

Im steten, wiegenden Schritt ging der Bergler voran und schaute sich immer wieder vergewissernd um. Die Schlusslaterne wurde von den Burschen abwechselnd gestellt. Diese löbliche Rolle wurde zuerst Armin zugeteilt. Der Anstieg war steil. Armin stolperte immer wieder, einfach weil Emma ihm in Hosen voranging, die ihr gut anstanden. Trotz des verlockenden Anblicks, oder vielleicht deswegen, überfielen ihn trübselige Gedanken.

„Langsam zuerst“, ermahnt der Bergler die Gruppe, „zur Akklimatisierung, und dabei immer tief schnaufen.“ So war die Plauderei, im Gegensatz zu ihrem Ausflug im Tafeljura, ziemlich eingeschränkt. Zwar wogen die Rucksäcke anfänglich nicht schwer, aber setzten unterwegs von selbst Gewicht zu. Kurze Atempausen bestimmten des Berglers Brissago, die nach 5 oder 10 Minuten unweigerlich ausging und neu angesteckt werden musste.

Das Eichhörnchen hatte zuerst, von Stein zu Stein springend, Spass gehabt, bis es einsah, dass es besser mit gedrosseltem Energieaufwand voran ging. Claudia hatte den Schritt des Berglers angenommen, damit ja alle wussten, dass sie hier in ihrem Bündner Revier war. Von seiner Höhe beeinträchtigt, musste Felix öfters tief in die Knie gehen. Kurt gab den Anschein, als sei der Aufstieg bloss ein verlängerter Schulweg. Markus, der zuvor Claudia eher ungelenk vorangegangen war, übernahm nach der ersten Etappe die Schlusslaterne. Armin hingegen blieb Emma auf den Fersen.

Zerzauste Legföhren darbten zwischen dem Geröll; die Alpenrosen hielten zäh an ihren letzten Blüten fest. Im Rucksack hatte Armin den „Hegi“ (Alpenblumen-Fibel) verstaut, doch sein Interesse an der Alpenflora war wie abgewürgt. Vielleicht hatte Emma nur zum Abschied in diese Bergtour eingewilligt, mutmasste er düster.

„Noch zwei Stunden bis zum Ziel“, meldete der Bergler und zog sein altmodisches Funkgerät aus dem Rucksack. Die Verbindung mit seinem Kollegen gelang.

„Mit Ach und Krach“, hörte die um ihn gescharte Gruppe mit, „werden wir es entweder in 2 oder 3 Stunden schaffen – oder nie ...“ Sein Kollege musste die arme Vreni bald schubsen, bald halbwegs tragen. „Die Höhenluft macht ihr zu schaffen. Fertig“, schaltete des Berglers Kollege sein Gerät aus.

Einige Nebelschwaden umgeisterten zeitweise die Gruppe. „Zusammenbleiben“, befahl der Bergler. Zum Glück wurde eine ebene Wegstrecke erreicht an sanft abfallenden Alpweiden entlang.

„Wir bleiben am besten beisammen“, wandte sich Armin an Emma, wie er neben ihr Schritt hielt. „Das ist doch eine tolle Abschiedstour, findest du nicht“, fuhr er mit brüchig-belegter Stimme fort, die sie aufhorchen liess.

„Abschiedstour?“, wiederholte sie fragend, „wie meinst du das?“

„Ich kann nichts dafür ... ich habe den Eindruck, dass du mich mehr und mehr meidest. Du weisst, dass ich mir viel Zurückhaltung auferlege, um dich in keiner Weise zu bedrängen.“

„Bedrängen, womit?“ fragte sie ihn baff.

„Eine unerwiderte Liebe ist schwer zu verkraften“, gestand ihr Armin zermürbt aufseufzend und bereute im gleichen Augenblick sein Geständnis.

„Warte mal“, erwiderte sie und suchte ihrerseits aufgewühlt nach Worten, „ich habe es dir gegenüber wohl nur angetönt und gedacht du hättest mich verstanden. Ich bin nicht zur Liebe bereit, jetzt noch nicht, weder mit dir noch sonst jemand. Meiner Aufgabe gehört sie. Punktum.“

„Du hast eine bewundernswerte Willensstärke. Wenn auf deiner Seite Liebe – selbst ein Gran – für mich bestände, glaube ich, kannst du sie weder bevormunden noch abwürgen ...“

Beinahe heftig schnitt sie ihm das Wort ab: „Verstehst du denn noch immer nicht, dass ich an meinem Entschluss festhalten will, denn, wie gesagt, gehört meiner Aufgabe meine ganze Liebe – und sie kommt und bleibt an allererster Stelle. Ich habe dich gerne, sogar lieb, sehr lieb, und wenn du mich wirklich liebst...“

Jetzt unterbrach sie Armin einrenkend: „ Ich verstehe, was du sagen willst, und glaube mir, ich bin bereit, mich ganz deinem Willen zu unterwerfen, solange du mir ein Fünkchen lässt. In wenigen Wochen bin ich wieder in London und du in Genf. Wenn es das Schicksal will, werden wir uns hin und wieder sehen und weiterhin platonisch miteinander verkehren. Das ist mir recht so. Dann ziehst du in die grosse weite Welt ... Und was dann?“

Emma schwieg betroffen und antwortete schliesslich seine letzte Frage aufgreifend: „Was dann? Wer weiss? Ausserdem habe ich kein Keuschheitsgelübde abgelegt.“ Das war ihr ganz unbeabsichtigt herausgerutscht. Ihr Herz klopfte. „Wirklich ich bin jetzt ganz durcheinander und wünsche, dass wir jetzt und hier dieses Gespräch abbrechen.“

„Dein Wille geschehe“, sagte Armin dumpf und verstummte.

Inzwischen hatte sich der Nebel aufgelockert. Es galt jetzt, einen Steilhang zu überqueren, „ohne eine Steinlawine auszulösen“, wie der Bergler die Gruppe ermahnte. Welche Lawine hatte Armin ausgelöst? War mehr als das Gespräch beendet? Er konnte doch nicht ewig ihr liebster Freund und Bruder bleiben, sondern sehnte sich nach mehr: Liebe – selbst platonische – genügte, wenigstens vorderhand. Es war ihm kein Trost zu wissen, dass sie ihn „sogar sehr lieb habe“.

Die Gruppe erreichte die Alphütte knapp vor dem Einnachten. Vreni stürmte ihnen jubelnd entgegen: „Jetzt wisst ihr, wie rasch ich hoch kraxeln kann!“

Eine Grimasse schneidend empfahl sich des Berglers Kollege. „Der ist froh, dass er sie los hat“, bemerkte Kurt bissig.

Die Alphütte war in mehrere Pferche fürs Vieh unterteilt, jetzt leer und gesäubert zu Schlafstellen umgemodelt. Im Vordergrund war ein weiter, offener Raum, worin bereits munter ein Feuer im Kamin prasselte.

„Lasst jetzt die Köchin werken“, forderte Vreni ihr Recht. Der Kollege des Berglers hatte nicht nur Vreni hochgehisst, sondern obendrein einen Rucksack voll Proviant: Würste, Käse, einen Fetzen Fleisch, sogar mehrere Flaschen „Veltliner“, die Felix sofort in die Augen stachen. Pfeffer, Salz, Senf, Töpfe und Geschirr waren von den Gestellen rasch zur Hand. „Sogar Servietten, alles piekfein, wie es sich eben bei uns schickt“, liess Claudia von sich hören.

Alle genossen das Gelage, ausser Emma und Armin. Gar lustig huschten die hellen Flammen über ihr Gesicht, so dass man nicht bemerken konnte, wie traurig ernst und in sich versunken sie dasass. Auf das Wohl des Berglers wurde angestossen, der befand, dass sich seine Obhut gut verhalten habe. Nach und nach versiegte das Geplauder, alle waren rechtschaffen müde.

„Was ist mit dir los“, hatte sich zuvor Kurt an Armin gewandt, „hast du die Sprache ganz und gar verloren? Ach nein“, beantwortete er an seiner Statt, „ er verträgt halt die Höhenluft so schlecht wie das Wasser ...“

Entgegen seiner Gewohnheit hatte Armin mehr vom urchigen Wein getrunken als ihm gut tat. Knapp 50 Meter von der Hütte war ein kleiner Gletschersee, schoss ihm durch den vernebelten Sinn. Alle verzogen sich mit ihren Schlafsäcken in die Nischen. Die Mädchen wuschen sich zuerst unter dem Vordach am Wassertrog. Der Bergler vergewisserte sich, dass kein Brand entstehen konnte. Die Burschen reinigten anschliessend das Geschirr und besorgten auf ihre Art die Toilette mehr oder weniger oberflächlich. Armin bemerkte, wie sich Markus und Claudia gar herzlich „Gute Nacht“ küssten. Ein beneidenswert glückliches Liebespaar.

Sprung in den Gletschersee
Wein, in den Kummer gegossen, kann unliebsame Folgen haben. Zuerst schien es, dass Armin dank des Veltliners in tiefen Schlaf sinken könnte. Gerne wäre Emma aufgestanden, um Armin einen echten Kuss zu geben. Zweifellos hatte sie ihm wehgetan, und sich selbst auch, aus „dogmatischem Starrsinn“, wie sie sich vorwarf. Sie empfand viel mehr als blosse Zuneigung für ihn. Erst jetzt, zur Geisterstunde in der Hütte, musste sie innerlich zugeben, dass sie in ihn verliebt sei.

Wessen Schatten huschte an ihr vorbei zur Türe? Sollte sie ihm folgen und ihn trösten? Das konnte doch nur Armin sein. Kaum hatte sie die Türe erreicht, sah sie ihn langsam, wie nachtwandlerisch, zum See gehen. Am Ufer blieb er stehen. Das wird er doch gewiss nicht tun, wasserscheu wie er ist ... Gewaltig erschrak sie – und mit gutem Grund: er stieg aus seinem Trainer und stand so erbarmungswürdig allein vor dem See, der sich schwarz spiegelnd und drohend vor ihm ausbreitete, gewiss tief vom einstigen Gletscher ausgehobelt – und eiskalt. Mit dem Fuss probte er das Wasser und ahnte die abgründige Tiefe. Emma hielt den Atem an, wollte aufschreien, doch ihre Stimme versagte. Im Kopfsprung war Armin im See verschwunden. Jammernd und schluchzend sprang sie zum See. Oh wie gut! Er war aufgetaucht und kraulte kräftig dem Ufer zu. Einige Meter nur trennten ihn vom schieferbesäten, rettenden Land. Unerwartet erlahmte Armin, vom Krampf gepackt. Sollte sie ihm nachspringen und ihn ans Land zerren?

„Donner-Doria-Sapperlot! Was ist da los!“ hörte sie die Stimme des Berglers. Knapp 10 Schritte von ihr löste er den Rettungsring von der Stange und warf ihn Armin zu. „Festhalten!“ schrie er und zog ihn ans Land.

„Bist du wahnsinnig“, brüllte er ihn an, kaum war Armin am Land, und warf ihm die Kleider zu, „wolltest du dir den Tod holen, zum Teufel noch mal?“

Kleinlaut und schlotternd stammelte Armin: „Ich wollte mich bloss etwas abkühlen. Ich weiss nicht, was in mich gefahren ist. Ich kriegte einen Krampf“, rieb er sich die Waden, zutiefst beschämt an Emma hochblickend.

„Du bist besoffen – Rein in die Wärme“, gebot der Bergler und half ihm auf. „Morgen wirst du von mir etwas hören“, drohte er. „Glaubst du denn, dass ich hier bin, um eine Leiche ins Tal zu tragen? Verdammt noch mal!“

Der Bergler war wirklich aufgebracht und winkte barsch Emmas Beschwichtigungen ab. Aber sie bat ihn derart inständig, dass er zuletzt nachgab und versprach, die Sache dabei bewenden zu lassen. Der Rest der Gruppe soll davon nichts erfahren – und mein Vater auch nicht, beharrte Emma. „Dein und Claudias Vater haben mich angestellt, nicht du!“ schnauzte er sie an, „ich muss Bericht erstatten. Basta!!“

Emma liess nicht locker und erweichte den steinharten Bergler schliesslich. „Ihr seid mir ein Paar“, zerrte er Armin mit sich. „Er wird sich wohl lieber von dir trocken reiben lassen, als von mir“, wandte er sich an Emma. „Von mir kriegte er obendrein eine zünftige Tracht Prügel!“ In der Hütte überliess er ihn Emma und kramte nach seinem langen Glimmstengel, besann sich und reichte ihr eine Buddel „Enzian“. „Einige Schlücke genügen, um ihm nachzuhelfen, nicht mehr“, knurrte er.
Niemand sonst wusste und erfuhr vom Drama am Bergsee. Emma brachte ihn mit einem Frottiertuch in den Schlafsack. Sie verabreichte ihm den Enzianschnaps, der höllisch brannte. Er nahm kaum mehr wahr, dass Emma ihm in den Schlafsack nachschlüpfte und sich wärmespendend an ihn schmiegte. Er merkte nicht einmal, dass sein Kopf auf ihrem Busen ruhte.

Frühmorgens wurde die Gruppe aus den Schlafsäcken beordert. Emma hatte sich zuvor wohlweislich in ihren eigenen zurückgefunden. Armin erwachte mit wirrem Kopf, aber sonst unbeschädigt. Nur dumpf erinnerte er sich an das nächtliche Geschehnis. Doch wie die Gruppe nach dem Frühstück aufbrach, erinnerte er sich nach und nach deutlicher seiner Heldentat und schämte sich gewaltig. Gewiss hatte er keinen Selbstmord versucht, vielmehr hatte ihn sein Zustand der Angetrunkenheit in grotesk tragische Heldenpose versetzt – eine jämmerliche Figur fürwahr musste er ihr dargeboten haben – und erst noch splitternackt.

„Mittagsrast!“ Vreni war ganz gut mitgezottelt in der diesmal sanft gestimmten Berglandschaft. Es stellte sich die Frage: Weiter gehen bis zur nächsten Hütte oder ins Tal abzusteigen? Der Bergler wollte bloss ihre Meinung hören und behielt sich den Entscheid autoritär vor. Emma und Armin schlossen sich merklich zögernd der Mehrheit an. „So wollt ihr alle weitergehen, mindestens 3 bis 4 Stunden.“ Keinen Augenblick zu früh gab der Bergler zur Freude der Gruppe preis, dass es bis zum Ziel bloss eine Stunde sei, und statt der Hütte sie immerhin eine ganz passable Gaststätte erwarte – diesmal ohne Bergsee –, doch mit Kabinenlift ins Tal. Über sein Gerät bestätigte er die Ankunft der Gruppe gegen den Spätnachmittag.

Eindeutig gnädiger gestimmt als in der letzten Nacht, zwinkerte er Emma und Armin aufmunternd zu, und seine fest gebahnten Gesichtszüge entgleisten dabei ganz merkwürdig, als ob sich eine Bremse auf seine Hakennase gesetzt hätte. Der Tag hielt was er versprach, der Föhn strich laue Luft über den Berghang tief.  

Ende gut, alles gut – vorderhand
Das Bild fröhlicher Eintracht bot die Gruppe am Esstisch der Gaststätte. Emma und Armin hatten zuvor Gelegenheit gehabt, sich auszusprechen. Hand aufs Herz, sie gestand ihm ihre Liebe – sogar impulsiv und von einem echten Kuss besiegelt.

Am Esstisch sassen Markus und Claudia dem frisch geprägten Liebespaar gegenüber. Vreni beäugte sie etwas verwirrt. Gestern hatte es so ausgesehen, als ob sich eine Kluft zwischen ihnen aufgetan hätte, und heute sitzen sie in der Leuchtschrift der Liebe nebeneinander. Dies fiel selbst Kurt auf. Was flüsterte er Vreni ins Ohr, dass sie so vergnügt auflachte? Felix bat um Aufschluss. Das sei Privatsache, winkten sie ab. Das bewog Felix, dem Eichhörnchen etwas zuzuflüstern. „Nun, warum rückt ihr denn nicht selbst mit der Sprache heraus“, wandte sich Vreni an die beiden. „Diskretion ist Ehrensache“, bestand das Eichhörnchen seinerseits. Wer was wem zugetuschelt hatte, blieb undurchsichtig, denn niemand rückte mit der Sprache heraus. Weder Emma noch Armin hatten bemerkt, dass sie der Mittelpunkt dieses Geflüsters waren.

Alle tranken „Passugger“, ausser der Bergler und natürlich auch Felix. Claudia pries die Polenta, als habe sie diese selbst zubereitet. Als der Kaffee aufgetischt wurde, entfaltete der Bergler zur Feier des Tages seinen Tabaksbeutel und stopfte seine Pfeife. Dies tat er jeweils, wenn er etwas Berglerlatein zum Besten geben wollte. „Nun muss ich euch allen eine Geschichte erzählen“, hob er an. Emma und Armin erblassten. Er grinste, und seine Nase wurde ganz schief, als er seine Augen zusammenkniff und weiterfuhr „An einem Wintertag, mit frisch gefallenem Schnee, haushoch getürmt ...“

Erleichtert drückten sich Emma und Armin die Hände unterm Tisch und hörten der langatmigen Geschichte zwar nur mit halbem Ohr, doch voller Andacht zu.

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