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BLOG vom 30.05.2012


Jubiläum der Königin Elisabeth II. und Strassenfeste
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
60 Jahre sind es her, seitdem Elisabeth II. den Thron bestiegen hat. Die rüstige, 87-jährige Dame erscheint landauf/landab, von ihrem Gemahl Philip begleitet, und erhält viele Blumensträusse, von Kindern knicksend überreicht, plaudert da und dort kurz mit ihren Untertanen, die ihr zujubeln.
 
Der Souvenirhandel floriert, eine Bierschwemme steht an. Die britische Flagge und Wimpel sind über die Strassen gespannt und in den Schaufenstern der Geschäfte angebracht, auch im „Wimbledon Village“, und lenken momentan die Leute von der Wirtschaftsmisere ab.
 
Die hochpolierte Kalesche der Königin wird am 6. Juni 2012 mit viel Pomp und Pferdegetrampel gezogen und, von der Kavallerie begleitet, von der Westminster Hall durch den Pall Mall den Buckingham-Palast erreichen. Wer zählt die Pferdeäpfel der gestriegelten Gäule? Wie schon so oft zuvor wird die Königsfamilie auf dem Balkon erscheinen. Die Königin wird später eigenhändig den „Beacon“ (die Fackel) anzünden. Die Fackel der Olympiade wird im „Stafettenlauf“ bereits durchs Land getragen.
 
Als Schweizer habe ich wenig für dieses grossartig aufgezogenes Jubiläumsspektakel übrig, doch verzichte ich diesmal auf bissige Kommentare. Das Jubiläum gehört eindeutig den Royalisten, etwa rund 80 % der Bevölkerung. Die Scheidungsskandale, auch jener von Prinz Charles und Diana, sind längst vergessen.
*
 
Am 4. Juni 2012 wird unsere Strasse, Wimbledon Parkside Gardens, gesperrt. Das Strassenfest beginnt um die Mittagszeit. Die Eintrittskarte kostet £ 30 pro Person, inbegriffen Lammbraten, Röstkartoffeln, Salate und Getränke (Softdrinks, Wein oder Bier). Eine „Steel Band“ wird aufspielen. Luftballons werden verteilt, auch ein Speiseeiswagen wird die Strasse aufsuchen.
 
Wir besuchten ein solches Strassenfest zur „Millenium-Feier“. Ich half beim Aufstellen der Klapptische und Stühle. Kaum hatten Lily und ich uns gesetzt, begann es zu regnen. Unter Zelten zusammengerückt, langweilte ich mich bald und entwich ins Haus, trotz Lilys Protest. Als Kind hatte ich meinen Spass am Quartiersfest in Basel gehabt. Mein Spass an solchen Anlässen ist längst verflogen, seitdem unsere Söhne erwachsen geworden sind. Andere Freuden haben sie ersetzt.
 
Seither sind in unserer Strasse viele Leute, mit denen ich nichts gemeinsam habe, eingezogen. Sie haben die Häuser ausgebaut, aufgestockt und unterkellert. Vielfach wurden sie abgerissen und wichen protzigen Neubauten. „Wie viele Zimmer und Badezimmer haben Sie?“ Die Gespräche gelten vornehmlich den Liegenschaftswerten. Gärtner warten den Rasen und die Blumenbeete. „Chacun à son goût“, sage ich mir und entweiche diplomatisch der Einladung zum Strassenfest, Königin hin oder her.
 
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