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BLOG vom 26.07.2012


Knifflige Lagen: Patschen und Schlimmerem vorbeugen
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Münchhausen wusste, wie er sich aus einer kniffligen Lage retten konnte. Als er mitsamt seinem Pferd im Morast versank, gelang es ihm, sich an seinen Haarschopf hochziehend, sich mitsamt dem Pferd zu befreien.
 
Auch eine Maus, die in einen Krug Milch fiel, zappelte so lange, bis die Milch zur Butter wurde und sie entkommen konnte.
 
Katzen, die an einem Baum zu hoch geklettert sind, werden früher oder später wieder Boden gewinnen. Dazu braucht es keine lange Leiter der Feuerwehr. Wurde je ein Katzenskelett im Baum entdeckt? Nein. Der Hunger rettet sie zur rechten Zeit.
 
Einmal wurde ich bei einem Strand in Andalusien von einer Strömung erfasst, die mich tiefer ins Meer hinaus trieb. Die Strömung war zu stark für mich. Ich presste beide Hände aneinander und formte einen schrägen Winkel, gegen die Küste weisend, und liess mich treiben. Langsam aber sicher gab mich die Strömung frei, und ich gewann wieder Land. Vielleicht liess ich mich hier von Münchhausen hinreissen und habe eine Lügengeschichte aufgetischt …
 
Als 1. Grundsatz lässt sich folgern, dass man bei Gefahr einen kühlen Kopf bewahren sollte. Panik verstrickt uns tiefer in der Gefahr. Das ist leichter gesagt, als befolgt.
*
Nebst dem Unheil, das uns die Natur beschickt, wie u. a. Erdrutsche, Überschwemmungen, gibt es Patschen, die wir selbst, bewusst oder nicht, auslösen oder verschulden, einfach weil wir die Folgen unserer Handlungen ignorieren oder unterschätzen. Die Bandbreite reicht vom Lapsus bis zur Verleumdung, falschen Anklagen und Gewalttaten.
 
Die Literatur wartet mit vielen Beispielen auf. Hier genüge der Hinweis auf Thomas Manns packend geschilderte Novelle „Mario und der Zauberer“. Der verkrüppelte Zauberer Cipello konnte aus dem Publikum gepflückte Leute hypnotisieren. Sein Auftritt begann harmlos mit Karten- und anderen gängigen Zaubertricks. Der Höhepunkt seines Bühnenauftritts folgte, nachdem er einige Opfer in Trance versetzt hatte, worin sie sich vor dem Publikum lächerlich machten. Auf Geheiss des Zauberers bestieg zuletzt Mario, „ein untersetzt gebauter Junge von 20 Jahren mit kurz geschorenem Haar, niedriger Stirn und zu schweren Lidern über die Augen“ die Bühne. Mit Spott und beissendem Hohn zerfetzte der Zauberer Marios Liebeskummer. Silvestra hiess Marios angebeteter Engel. Es gelang Cipello, dem hypnotisierten Mario als Silvestra zu erscheinen. „Küsse mich!“ befahl er ihm – und so geschah es. „Es war recht still im Saale geworden. Der Augenblick war grotesk, ungeheuerlich …“ Cipello löste Mario aus der Hypnose und das Publikum applaudierte. „2 flach schmetternde Detonationen durchschlugen Beifall und Gelächter“. Tödlich von Marios Pistolenschüssen getroffen, lag der Zauberer auf der Bühne.
 
Fortlaufend greifen die Medien (besonders in England) Übeltaten aller Art auf, seien es Finanzskandale, Verleumdungen, Familientragödien usw. Die Angeklagten erscheinen vor dem Gericht. Lappalien lassen sich nachträglich entschuldigen.
 
Wer sie begeht, entkommt glimpflich und wird allenfalls mit einer Rüge, einem Verweis oder einer Busse bestraft, wie das bei geringfügigen Verkehrssünden der Fall sein mag. Das lässt sich aufs Konto der Erfahrung abbuchen. Der Betroffene wird hoffentlich aus dem Schaden klug und verhält sich künftig vorsichtiger – sich selbst zuliebe.
 
So kann als 2. Grundsatz gelten, dass es leichter ist, Patschen und Schlimmeres zu vermeiden, ehe man in sie trampt oder begeht. Das erfordert wiederum, einen klaren Kopf zu bewahren. Wutanfälle gilt es à tout prix zu vermeiden. Vernunft herrsche vor.
 
Aber bis es soweit ist und man sich zum Moralisten durchmausert, begeht man viele Fehltritte, durch die sich Reue einschleicht.
 
Hinweis auf weitere Feuilletons von Emil Baschnonga
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