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BLOG vom 28.10.2013


Auf- und abgegriffene Begriffe: Klischees, Plattitüden
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
In vielen Reden und Medien wimmelt es von ausgehöhlten Klischees und Plattitüden. Wer sie gedankenlos aufgreift, erspart sich das Nachdenken. Klischees und Plattitüden schleichen sich in Werbeslogans ein. Die Parteipolitiker hausieren damit. Präsident Barack Obamas Wahlkampagne mit dem Motto„Yes. We can“ wurde zum Mantra hochgejubelt. Seine Anhänger wiederholten es ad nauseam. Diese Phrase sollte heute mit „We can’t do“ ersetzt werden.
 
Adolf Hitlers Plakatanschlag „Sieg um jeden Preis“ ist ein tödlich makabres Klischee mit absehbaren Folgen. Seine Reden trieben das Volk in die Massenhysterie. Napoléon von mörderischer und kriegslüsterner Grossmannsucht getrieben, thront heute auf dem Sockel der verzerrten Geschichte … Er hat sich selbst mit dem Ausspruch „On gouverne mieux les hommes par leurs vices que par leurs vertus“ (Man regiert die Menschen besser mit ihren Lastern als mit ihren Tugenden) gerichtet. In der Geschichte wird vergangenes Unheil weissgewaschen. Klischees vertuschen die Wahrheit. So sei vor Klischees im Grossen und wie im Kleinen gewarnt, gerade heute, wo viele neue Kreuzzüge eingefädelt werden.
*
 
Ich bin meiner Schreibabsicht entrutscht: Ich wollte das Thema auf die leichte Schulter nehmen. Die banalen Klischees und Plattitüden behelligen mich nicht. Ich überfliege die zahlreiche, dem Auto gewidmete Werbung, die den Automobilisten stets freie Fahrt auf leeren Strassen verheisst und Kredite für den Käufer anbietet. Erst im Kleinstdruck unter der Anzeige werden die einschränkenden Konditionen „preisgegeben“. Mein alter Polo hat wenige Meilen gefressen und genügt uns vollauf in und rund um Wimbledon, zumal man in London kaum mehr einen freien Parkplatz findet. Desgleichen übersehe ich Anzeigen über Waschmittel, besonders wenn sie „weisser als weiss“ waschen. Auch Zahnpasten wetteifern um perlenweisse Zähne. Im erweiterten Sinne lassen sich die Konsumenten leicht mit vielen Mätzchen einseifen … Auch die irreführenden Anzeigen der Grossbanken lasse ich links liegen. Unsere Lebensmitteleinkäufe bezahlen wir bar.
 
Nun gibt es ab und zu Werbefilme, die meinen Sinn für Humor kitzeln, wie jener von einer Brillenkette. Ein kurzsichtiger Schäfer schert seine Schafe. Seinen Schäferhund nimmt er zwischen die Beine und schert ihn glatt. Erst nachher bemerkt er seinen Fehler und greift sich an den Kopf. Dieser Mann hat eine Brille verdient.
 
Künstlerisch gestaltete Anzeigen aus Grossmutterzeiten sind für mich weitere sammelwürdige Ausnahmen, wie „Ah! Bisto – For all Meat Dishes“, von Will Owen in Farblithografie geschaffen. Ein Lausbub mitsamt seinem Schwesterlein schnuppert den würzigen Sossenduft, der ihnen aus einer geöffneten Türe in die Nase sticht.
 
Leider gibt es für meinen Geschmack viel zu viel geschmacklose und absurde Klischees und Plattitüden. Wie gesagt, überbieten sich die Politiker mit Gemeinplätzen, die von den Medien meistens fraglos übernommen werden. Die parteipolitische Presse ersetzen sie mit ihren eigenen Klischees … Diese stechen mir in die Nase.
 
 
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