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BLOG vom 24.02.2016


Blume des Jahres 2016: Wiesen-Schlüsselblume

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 

Wiesen-Schlüsselblume

Wiesen-Schlüsselblume
(Foto: Bruno Vonarburg)
 

Die Wiesen- oder Echte Schlüsselblume (Primula veris) wurde von der Loki-Schmidt-Stiftung zur 37. Blume des Jahres seit 1980 gewählt. „Die Blume des Jahres steht immer auch stellvertretend für einen bedrohten Lebensraum. Bei der Wiesen-Schlüsselblume sind dies sonnige, eher trockene Wiesen und lichte Wälder auf kalkhaltigen Böden“, erklärte die Stiftung.

Auf extensiv genutzten Wiesen gedeiht die Schlüsselblume selten. „Durch intensive Nutzung von Wiesen und Weiden, die Düngung und auch der Umbruch von Grünland zu Ackerland führen dazu, dass die Pflanze an vielen Orten nicht mehr zu finden ist“, teilte die Stiftung mit. „Ungedüngte Wiesen auf trockeneren Böden müssen unbedingt erhalten bleiben“, so die Loki-Schmidt-Stiftung.

In den Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen ist die Schlüsselblume stark gefährdet, in Brandenburg, Sachsen, im Saarland ist sie gefährdet. In Baden-Württemberg steht die Blume auf der Vorwarnliste, während in den anderen Bundesländern diese ungefährdet ist.

Die Blume mit ihren leuchtend-gelben Blüten ist ein  vertrauter Frühlingsbegleiter. Die ersten Blüten sahen wir in den vergangenen Jahren schon im März (Blütezeit bis Mai) oft in lichten Wäldern, Wegrändern und an Böschungen. Auf unseren Wanderungen sehen wir die schöne Blume immer weniger. Als Hobby-Fotograf erfreue ich mich immer wieder, wenn ich ein schönes Blumenarrangement mit mehreren Pflanzen sehe.

Das wissen vielleicht nicht alle: Die Blumen dürfen in der freien Natur nicht gepflückt oder ausgegraben werden. Für das Sammeln der Wurzeln braucht man die Genehmigung vom Landratsamt. Die für Arzneien verwendeten Pflanzen stammen aus dem Anbau. 
 
Die Schlüsselblume ist auch eine beliebte Gartenpflanze. Oft kommen hier die Priumula veris und die nicht duftende Hohe Schlüsselblume (Primula eliator) zur Aussaat.
Samen der Wiesen-Schlüsselblume erhalten Sie in Gärtnereien oder bei der Loki-Schmidt-Stiftung.

Dämonenabwehrende Kraft
Im Volksglauben spielte die Schlüsselblume eine Rolle. Die Pflanze war ein Fruchtbarkeitsmittel, auch wurde sie bei Hochzeitsbräuchen verwendet und entfaltete eine dämonenabwehrende Kraft.

Auch als Heilpflanze beliebt
Die Schlüsselblume, die auch Apothekenprimel genannt wird, wurde schon als Heilpflanze von Hildegard von Bingen (1098−1179) gepriesen. „Der Hymelsloszel ist warm und hat seine Kraft von der Sonne“, schrieb die genannte Expertin. In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts fand die Schlüsselblume gegen Gicht Verwendung. Sehr beliebt war zu jener Zeit auch der Schlüsselblumenwein. So empfiehlt Tabernaemontanus den Wein gegen „Gegicht, blöd Haubt und verstopffte Nerven“. Auch als herzstärkendes Mittel, Schlagheil- und Wundmittel, und auch bei Erkältungen und Gesichtsflecken (hier Schlüsselblumenwasser) wurde sie gerne gegeben.

Sebastian Kneipp (1821−1897) riet: „Wer Anlage zur Gliedersucht hat oder an diesen Gebresten leidet (Rheuma, Gicht), trinke längere Zeit hindurch Schlüsselblumentee. Die Schmerzen werden sich lösen und allmählich verschwinden.“

Inhaltsstoffe: In den Blüten und der Wurzel sind Flavonoide (z. B. Rutin, Quercetin) und Triterpensaponine wie Primulasäure, Phenolglykoside.
Die Inhaltsstoffe entfalten eine schleimlösende, entzündungshemmende und auswurffördernde Wirkung. Die Blüten haben auf Grund des geringeren Saponingehaltes eine schwächere Wirkung.

„Primelallergie“: Das für diese Allergie verantwortliche Primin kommt in den Drüsenhärchen des Stängels und der Blattunterseiten vor. In der Primelblüte wurde der Stoff nicht nachgewiesen.

Anwendung (Tee, Tinktur): Husten, Bronchitis. In der Volksmedizin bei Keuchhusten, Asthma, Migräne, Nervenschmerzen, Gicht, Rheuma.

Teebereitung: 2 TL getrocknete Wurzel oder Blüten mit 150 ml heissem Wasser übergiessen, nach 10 Minuten abseihen und täglich 1-2 Tassen trinken.
Schlüsselblumen können auch mit Spitzwegerichkraut, Holunderblüten, Thymian und Lungenkraut kombiniert werden.

Husten-Honig:  Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichblätter, Huflattichblätter mit dünnflüssigem Waldhonig überschichten , 3 Wochen in einem geschlossenen Gefäss dunkel stehen lassen und danach mit einem Teesieb abseihen. Bei Husten früh und abends je ein Likörglas voll trinken. (Quelle: „Achtung Pflanze“ von Frank Hiepe).

Fertigarzneimittel als Kombinationspräparat (Tropfen, Dragees, z. B. Sinupret®): Akute und chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Das Kombinationspräparat enthält Enzianwurzel, Primelblüten mit Kelch, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut.
Die einzelnen Heilpflanzen mit ihren Wirkstoffen ergänzen sich bei der Behandlung der Sinusitis und ihren pharmakologischen Eigenschaften und klinischen Wirkungen.  Die Inhaltsstoffe wirken stark schleimlösend und entzündungshemmend. Ergänzt werden diese Hauptwirkstoffe durch antivirale und immunmodulierende Eigenschaften. Nach Anwendung kommt es zu einer Abschwellung der Schleimhaut, einer Sekretionslösung und zu einer Besserung der typischen Beschwerden wie Druckgefühl und Gesichtsschmerz. Die Studien mit dem Kombinationspräparat überzeugen in der klinischen Wirksamkeit im Vergleich mit synthetischen schleimlösenden Medikamenten.

Internet
www.ndr.de/ratgeber/garten/
www.loki-schmidt-stiftung.de
(bei der Stiftung sind Kalender, Samenpostkarten und Grusskarten erhältlich)
www.badische-zeitung.de

Literatur
Hiepe, Frank: „Eine Frühlingsbotin: Die Schlüssenblume“, Achtung Pflanze, Serie in der Badischen Zeitung, 25.03.2010.
Schmidt, Loki; Jahn, Axel: „Die Blumen des Jahres“, Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 2015.
Scholz, Heinz; Hiepe, Frank: „Arnika und Frauenwohl“, Ipa-Verlag, Vaihingen 2013.

 

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Hinweis auf einen „Glanzpunkte-Artikel“ 
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