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BLOG vom 15.12.2019


Wirksame Wurzeln (II): Wacher Kopf und gute Nerven

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Ingwer (Foto: Heinz Scholz)
 

Ingwer wirkt brechreizdämpfend
Laut Prof. Dr. Heinz Schilcher entfalten die Ingwer-Inhaltsstoffe 23 nachgewiesene pharmakologische Effekte. Um nur einige zu nennen: Ingwer wirkt brechreizdämpfend, sorgt für eine bessere „Magenverdauung“ sowie „Magenberuhigung“ und wirkt entzündungshemmend. Das ätherische Ingweröl wirkt, wie in einer im Jahre 2007 publizierte Studie eindrucksvoll festgestellt wurde, gegen Herpesviren.

Die ESCOP-Expertenkommission und die WHO empfehlen Ingwerzubereitungen nicht nur zur Vorbeugung der Reisekrankheit, sondern auch gegen Schwangerschaftserbrechen oder bei Brechreiz nach Operationen. Auch bei Blähungen, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit und Motilitätsstörungen sind Ingwerzubereitungen angebracht.

100 Studienteilnehmer eines iranischen Krankenhauses, die durchschnittlich 7 Jahre an Migräne litten, nahmen an einer Studie teil. Die eine Hälfte bekam Sumatriptan, die andere erhielt Ingwer-Extrakt. Das Ergebnis war verblüffend: Der Ingwer-Extrakt war ebenso effektiv wie Sumatriptan. In der Sumatriptan-Gruppe wurden Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Schwindel, Sodbrennen registriert, während in der Ingwer-Gruppe die einzige Nebenwirkung Verdauungsstörungen waren (Phytother. Res. 2014; 28: 412-415).

Ingwer hilfreich bei Reisekrankheiten: Die Vorfreude auf den Urlaub wird so manchem Reisenden schon nach kurzer Fahrt vergällt. Der unter einer Reisekrankheit Leidende bekommt eine bleiche Gesichtsfarbe, Schwindel, Schweißausbrüche, Herzklopfen, Druck in der Magengegend, manchmal Hitzewallungen oder ein Zittern am ganzen Körper. Was tun?
Als Alternative zu den Medikamenten mit synthetischen Wirkstoffen (manche dieser Wirkstoffe machen müde und benommen) hat sich Ingwer bewährt. Auf Reisen nehmen wir immer einen Ingwer naturreinen Pflanzentrunk (Schoenenberger) mit, zumal der Ingwer den Magen beruhigt, Unwohlsein vorbeugt und die Verdauungssäfte anregt. Besonders hervorgehoben wurde in Studien und durch eigene Beobachtungen die gute Verträglichkeit und weitgehende Freiheit von Nebenwirkungen. Nur sehr wenige Personen litten unter Aufstossen, Durchfall und Magendrücken.

Empfehlung: 3 x täglich 5 ml des Ingwer Pflanzentrunks (in akuten Fällen können auch 10 ml eingenommen werden).

 


Löwenzahn (Foto: Heinz Scholz)
 

Löwenzahn regt Harnausscheidung an
Der Löwenzahn (Kraut und Wurzel) wirkt appetitanregend, stoffwechselanregend, verdauungsfördernd, gallesekretionssteigernd und abführend. Er ist auch ein Förderer der Harnausscheidung. Aus diesem Grunde bezeichnete man ihn vielerorts als „Bettseicher“ und in Frankreich „pissenlit“.

Innerliche Anwendung (Tee, Tinktur, Press-Saft aus frischem Löwenzahnkraut mit Wurzeln) bei Appetitmangel, Anregung der Harnausscheidung. Löwenzahn ist Bestandteil von „Frühjahrskuren“, „Blutreinigungskuren“. Die 4-6 Wochen dauernden Kuren sind besonders geeignet bei Hautleiden, Gicht und rheumatischen Erkrankungen. Im Handel gibt es Kräuterbitter ohne Alkohol mit Artischocke, Gelbwurz, Löwenzahn und anderen Heilpflanzen.

Frische Blätter: Als Salat zur Frühjahrskur.

Gegenanzeigen: Entzündung oder Verschluss der Gallenwege, Darmverschluss.

Meerrettich – das „Penicillin“ aus der Küche
Der Meerrettich ist in der Tat der Schärfste unter den Gemüsen und Küchenkräutern. Bei der Zubereitung fließen schon mal die Tränen; es kribbelt in der Nase, und beim Verzehr verspürt man einen beißenden Geschmack.

Senföle, Vitamin C (115 mg/100 g) und Kalium sind die herausragenden Inhaltsstoffe. Senföle sind für den beißenden Geschmack verantwortlich und entfalten eine antibiotische Wirkung. Nicht zu Unrecht wird der Meerrettich als das „Penicillin aus der Küche“ bezeichnet. Senföle entfalten eine durchblutungsfördernde, appetitsteigernde, harntreibende, hautreizende, entwässernde und schleimlösende Wirkung. Auf Gärungs- und Fäulniserreger im Darm wirken Senföle lähmend.
Senfölglykoside kommen außerdem in Rettich, Senf, Kresse und Kohl vor.
Eine Großstudie der Universitäten Rennes und British Columbia ergab, dass die schwefelhaltigen Senföle die Resistenzproblematik entschärfen können. Bei Erkältungskrankheiten ist es sinnvoll, wirksame pflanzliche Arzneimittel wie Senföle aus Kapuzinerkresse (Arzneipflanze des Jahres 2013) und Meerrettich einzusetzen. Dies äußerte der Makrobiologe Prof. Uwe Frank, Freiburg. Bei Verwendung von Senfölgemischen wurden nach 50 Jahren keine Resistenzen beobachtet.
Bei der Studie wurden mehr als 100 Forschungsarbeiten zu den antibakteriellen Eigenschaften und Resistenzmechanismen der Senföle ausgewertet. Die Senföle wirken antimikrobiell, entzündungshemmend und eignen sich zur Behandlung von Erkältungskrankheiten. 
„Gleichzeitig tragen die Senföle zur Entschärfung des Resistenzproblems bei“, so Prof. Frank.

Die Senföle wirken auch im Gegensatz zu Antibiotika, antiviral. Bei antiviral bedingten Atemwegserkrankungen könne das pflanzliche Arzneimittel auch den bakteriellen Sekundärinfektionen entgegenwirken.
Eine Kombination der Senfölglykoside (Glucosinolate) aus Kapuzinerkraut und Meerrettichwurzel haben ein breites Wirkungsspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen.
Eine Untersuchung an der Uni Gießen 2010 ergab, dass die Kombination der Senföle die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmte.

Hinweis: Die Arznei-Kombination Meerrettich und Kapuzinerkresse ist in Apotheken erhältlich.

Noch ein Hinweis: Menschen mit Magen- und Schilddrüsenproblemen sollten keinen Meerrettich verzehren.

Rosenwurz - wacher Kopf und gute Nerven
Arzneimittel auf der Basis von Rosenwurz haben sich bewährt bei Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Antriebsschwäche, beruflicher Überlastung, Reizbarkeit, Examensangst, Stress-Symptomen, Lampenfieber und Gedächtnisschwäche. Die populäre Rosenwurz gehört wie der Ginseng oder die Taigawurzel zur Gruppe der Adaptogene. Die Rosenwurz schützt darüber hinaus auf Grund der antioxidativen Wirkung unsere Zellen vor Schädigungen.

Teezubereitung: 5 g Wurzel sehr fein schneiden (der Wurzel entströmt ein feiner Rosenduft), dann mörsern und mit 350 ml Wasser 30 Minuten lang bei geschlossenem Deckel köcheln. Danach abgießen und genießen.

Süssholz, der Magenschmeichler
Am 23.06.2013 fand der 2. Badische Kräutertag in Glottertal statt. Ursel Bühring hielt den viel beachteten Vortrag „Kuren für Körper und Seele“. Über das Süssholz wusste sie Interessantes zu berichten.

„Wer mag keine Lakritze?“ wollte die Referentin wissen. Viele der Anwesenden streckten ihre Hände in die Höhe. Da wusste Ursel Bühring, dass die aus der Süssholzwurzel gewonnene Lakritze („Bärendreck“) nicht so beliebt ist. Die Referentin schwärmte vom Süssholz, da es hervorragend die Magenschleimhaut schützt. Sogar Napoleon nahm Süssholz in Form von Lakritze auf seine Kriegszüge mit, um seinen Magen zu beruhigen. Er litt unter starkem Sodbrennen. Süßholz wirkt auch auf die Atemwege sekretionslösend, entzündungshemmend, schleimhautschützend, hustenreizmindernd und auswurffördernd.

Zu beachten ist, dass Süßholz nicht länger als 4?6 Wochen und nicht zu hoch dosiert eingenommen werden sollte, da sonst cortisonähnliche Effekte auftreten können. Es sollte auch nicht gleichzeitig mit Herzmitteln oder bei schweren Leber- oder Nierenerkrankungen, Bluthochdruck und Schwangerschaft eingenommen werden.

Taigawurzel im Weltraum getestet
Die Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) wächst überwiegend in den Wäldern Südostsibiriens und in den mittleren Amurgebieten. Die Wurzel enthält sogenannte Adaptogene, das heisst, sie verbessern bei außergewöhnlicher Belastung die Anpassungsfähigkeit des Organismus, stärken die Widerstandskraft und verkürzen die Genesungszeit. In mehr als 100 meist russischen Arbeiten wurde die Wirkung der Taigawurzel beschrieben. In diesen Untersuchungen wurden Effekte auf das Immunsystem und antivirale Wirkungen ermittelt.

In einer Reihe von Betrieben der russischen Automobilindustrie wurde die Wirkung des Extrakts bei 15 000 Arbeitern untersucht. Die Testpersonen erhielten den Extrakt während 2 Monate. Die krankheitsbedingte Abwesenheit vom Betrieb sank bei den Extraktkonsumenten um 30 bis 35 %. In anderen Langzeitstudien wurde der Extrakt an insgesamt 60 000 Arbeitern der Volzhsky-Automobilwerke in Tolyatti (Russland) getestet. Nach über 10 Jahren wurde eine 25-prozentige Reduzierung von Abwesenheits- und Krankenzeiten der Teilnehmer beobachtet. Die Grippeerkrankungen waren um 40 % vermindert.

Die Wurzelextrakte wurden sogar 1977 im Weltraum getestet. Die Astronauten Wladimir Ljachow und Valerij Rjumin konsumierten jeden Morgen in ihrer Raumstation Saljut 6 den Extrakt und erfreuten sich bester Gesundheit.

In späteren Versuchen wurde festgestellt, dass Extrakte des Wurzelstocks von Eleutherococcus („Taigawurzel“, „Teufelsstrauch“) bei negativem Stress, Wetterfühligkeit, rascher Ermüdung und Erschöpfung wirkt.

Hier die Wirkungen im Überblick:

Zunahme: Stress-Toleranz, körperliche Leistungsfähigkeit, Zytostatika-Toleranz.
Abnahme: Häufigkeit von Erkältungen, akute Atemwegserkrankungen.

Teufelskralle aus der Kalahari-Wüste
Harpagid, Harpagosid und Procumbid sind die Hauptwirkstoffe der Teufelskralle; es sind Bitterstoffe. Sie wirken nicht nur entzündungshemmend und schmerzlindernd, sondern sind auf Grund der Hemmung der Zytokinfreisetzung auch knorpelschützend.

Die Wirkstoffe entfalten eine Vierfachhemmung des Prostaglandin-Systems. Die Hemmung ist nicht so stark wie bei synthetischen Wirkstoffen, jedoch haben die Inhaltsstoffe der Teufelskralle verschiedene Angriffspunkte. So werden verschiedene Enzyme und der Entzündungsmediator NF-kB (Nuclear Faktor kappa B) gehemmt.
Teufelskralle-Tabletten eignen sich als Basistherapie bei:

  • Rücken- und Gelenkschmerzen,
  • degenerativen rheumatischen Erkrankungen (Arthrose),
  • entzündlichen rheumatischen Erkrankungen,
  • Muskelverspannungen,
  • Weichteilrheumatismus,
  • Stoffwechselerkrankungen.

Bei der Teufelskralle ist zum Beispiel eine Therapiedauer von mindestens 4 Wochen erforderlich, bis sich die volle Wirksamkeit einstellt. Eine erste Linderung tritt jedoch schon nach 2 bis 3 Wochen ein. Geduld und Ausdauer sind also gefragt. Die Zubereitungen mit dem Extrakt der südafrikanischen Teufelskralle eignen sich deshalb nicht als Akutmittel.

 

Hinweis auf den 1. Teil:
07.12.2019: Wirksame Wurzeln (I): Bitteres für den Magen

Internet
www.schoenenberger.com
www.ulmer.de
www.at-verlag.ch
www.carstens-stiftung.de

Literatur
Bühring, Ursel: „Alles über Heilpflanzen“ (Erkennen, anwenden und gesund bleiben), Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2018.
Bühring, Ursel: „Kuren für Körper und Seele“, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2012.
Scholz, Heinz; Hiepe, Frank: „Arnika und Frauenwohl“, Ipa-Verlag, Mühlacker/Mühlhausen, 2. Auflage 2013.
Scholz, Heinz: „Heilkräftige Wurzeln“ (Kurzbericht in „natur&heilen“, 11/2019).
Vonarburg, Bruno: „Heilen mit Pflanzenessenzen“, AT Verlag, Aarau und München 2017.

 


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