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     September 21, 2019 19:56 CET
 


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Mammutbaum-Anzucht aus Samen
Ich habe auf meinem Grundstück in Biberstein AG (Schweiz) 2 verschiedene rund 12 Jahre alte Mammutbäume; ich kenne aber nur einen davon mit Namen: Metasequoia glyptostroboides. Leider ist es mir bisher nicht gelungen, die Samen zum Keimen zu bringen. Die Zapfen sind im Spätherbst jeweils inwendig noch grün.
Alfred Hächler, CH-5023 Biberstein

Antwort: Es müsste theoretisch möglich sein, den Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum, Riesenmammutbaum) durch Samen und Stecklinge zu vermehren; die Vermehrung durch Samen gelingt schliesslich in der freien Natur auch. Im Spätsommer/Herbst sollte das am besten mölich sein; dann sind die 2 bis 3 mm grossen Samenplättchen in den verhältnismässig erstaunlich kleinen Mammutbaumzapfen einigermassen reif. Sie enthalten keinen Nahrungsvorrat und sind entsprechend empfindlich, können sich dafür aber leicht verbreiten und ein geeignetes erdig-sandiges und feuchtes Plätzchen finden. Es ist für sie nützlich, wenn Waldbrände für sie den Erdboden freilegen. Es müssen alle Voraussetzungen stimmen. Die Natur macht es schon richtig.

Von Menschen inszenierte Keimversuche sind demgegenüber eher unbeholfen: Man pflanzt die Samen in sandige Erde (Aussaaterde und Flusssand im Verhältnis 4:1) und schützt sie vorerst unter einem Glasdach und sorgt für Schatten. Das Substrat soll immer feucht sein, aber Staunässe wäre ungünstig. Das Aussaatgefäs muss vor allem unten porös sein.

Viele Keimversuche mit Mammutbaum-Sämchen schlagen allerdings fehl, wie man hört und vielerors nachlesen kann, und niemand weiss, woran das liegen könnte. Die Sämchen sind schlicht und ergreifend steril. Der baumkundige Fragesteller hat mir gegenüber im Gespräch die Vermutung geäussert, in unseren Breitengraden könnten die Samen vielleicht nicht ausreifen. Ein amerikanischer Samenversandhandel empfiehlt, die Samen vorerst 1 Monat bei 0°C in den Kühlschrank zu legen, wahrscheinlich um die natürlichen Verhältnisse zu simulieren. Man könnte ja alles einmal probieren. Wir wünschen Glück dabei.

Bei der von Ihnen erwähnten Metasequoia glyptostroboides handelt es sich um den chinesischen Rotholzbaum, der auch Urwelt-Mammutbaum genannt wird und der mit einer maximalen Höhe von 30 bis 50 m relativ klein bleibt. Der am Anfang stehende Zusatz Meta geht auf den Erstbeschreiber MIKI zurück und bedeutet nach den Erkenntnissen der Ruhr-Universität Bochum verändert, verwandt oder ähnlich. Der Name könnte also bedeuten, dieser Rotholzbaum sehe der 2. Laub abwerfenden Konifere Chinas ähnlich: dem Glyptostrobus. Dieser Mammutbaum ist in den Beschreibungen von Hu und Cheng einer eigenständigen Familie, der Metasequoiaceae, zugeordnet worden.

In China heisst dieser Baum shui-hsa: Wasserlärche oder Wasserfichte. Er kommt im Grenzgebiet zwischen Ost-Setchuan und West-Hupeh vor. Die Samen dieses wuchsfreudigen Baums (gut 1 m pro Jahr in Biberstein CH am Jurasüdhang auf einem Kalksteinuntergrund rund 400 m ü.M.) befinden sich in Zapfen, die ausgereift fast kugelig sind. Die 5 bis 6 Samen pro Schuppe sind rundum geflügelt. Doch nach der exzellenten Beschreibung durch die Ruhr-Universität, der einige Angaben für diesen Abschnitt entnommen sind (www.boga.ruhr-uni-bochum.de/html/ metasequoia_glyptostroboides.html) brachten diese Bäume, die aus Stecklingen hervorgingen, bisher ebenfalls ausschliesslich sterile Samen hervor.

Wahrscheinlich kommen Sie bei diesem speziellen Baum mit Stecklingen zuverlässiger ans Ziel der Vermehrung, was sehr wohl auch auf andere Arten zutreffen könnte.

Allgemein: Der gigantische Mammutbaum, der grösste unter den Bäumen, braucht einen feuchten Boden. Er muss in jungen Jahren häufig gewässert werden. Lange Trockenzeiten erträgt er erst im reiferen Alter.

Der Baum ist im Übrigen nicht nur anspruchslos, sondern auch unempfindlich, sogar gegen Feuer. Die 20 bis 60 cm dicke Rinde schützt ihn davor. Selbst Minus-Temperaturen übersteht er unbeschadet; wobei der Riesen-Mammutbaum der frostresistenteste von all den Mammutbaumarten sein soll. Einen Schädlings- oder Pilzbefall kennt er praktisch nicht. In seinem langen Leben, das 3000 und mehr Jahre dauern kann, muss er aber wohl dennoch mit allerhand Unbilden fertig werden. Wer eine harte Haut oder Rinde hat, schafft solches locker.

h.

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